Wenn Eltern von ihren Kinder erfahren, dass sie schwul oder lesbisch sind, ist es zugegebenermaßen oft noch eine Überraschung. Einige häufige Fragen, die sich Eltern in diesem Moment und danach stellen, wollen wir hier beantworten:
Das kommt ganz auf das Kind an. Genauso wie heterosexuelle Menschen gibt es Schwule, Lesben und Bisexuelle, die keine Kinder wollen. Früher waren die Möglichkeiten für gleichgeschlechtliche Paare deutlich reduzierter aufgrund der gesetzlichen Lage und der gesellschaftlichen Akzeptanz. Ob aus früheren heterosexuell gelebten Beziehungen, durch eine Pflegeelternschaft oder über eine Samenspende oder Auslandsadoption – heute gibt es immer mehr sogenannte Regenbogenfamilien, mit zwei Müttern oder zwei Vätern als Elternteile. Durch die verbesserte rechtliche Lage und zunehmende gesellschaftliche Akzeptanz müssen Schwule und Lesben nicht auf Kinder verzichten. Die rechtliche Situation ist jedoch in Österreich noch ganz und gar nicht optimal für diese Familienmodelle, da sowohl die Stiefkindadoption (also die Adoption des Kindes der Partnerin oder des Partners) als auch eine generelle Adoption für diese in Österreich nicht möglich ist oder in der eingetragenene PartnerInnenschaft sogar explizit verboten wird. Wir setzen uns aber dafür ein, dass es in Zukunft ermöglicht werden soll.
Mit größter Wahrscheinlichkeit wohl nicht. Obwohl HIV sich in den 80er Jahren stark in der Schwulenszene verbreitet hat, muss diese Angst heute relativiert werden. Die häufigste Übertragung in den westlichen Ländern ist zwar noch immer durch gleichgeschlechtlichen männlichen Sex bedingt, weltweit gesehen ist dies jedoch nur ein einstelliger Prozentbereich. Leider wird HIV heute vermehrt auch durch heterosexuellen Verkehr übertragen, jedoch ist die Sensibilität dem Thema gegenüber in der schwulen Community deutlich höher. Das Risiko einer Ansteckung ist also generell – durch Vorsichtsmaßnahmen – gering.
Lesben sind heutzutage ebenfalls vorsichtiger geworden. Die Wahrscheinlichkeit, sich mit HIV zu infizieren ist zwar sehr gering, jedoch gibt es heilbare andere Geschlechtskrankheiten, die viele heute vorbeugen wollen.
Generell sind die meisten Geschlechtskrankheiten heute leicht heilbar und HIV hat durch neue Therapien etwas von seinem Schrecken verloren. Zwar ist die Krankheit noch immer nicht heilbar, aber die Betroffenen können durch die Medikamente ein längeres Leben als früher genießen.
Es könnte sein, ist aber bei den wenigsten der Fall.
Wohl nicht. Es gibt zwar Jugendliche, die sich in der Pubertät ausprobieren wollen und auch Erfahrungen mit dem eigenen Geschlecht sammeln, ohne dies im späteren Lebensweg weiterhin zu tun. Dies ist jedoch nicht mit Homosexualität an sich vergleichbar, bei der sich die Person über einen längeren Zeitraum mit der eigenen sexuellen Orientierung auseinandergesetzt hat. Wenn ein Kind seinen Eltern von diesen Gefühlen erzählt, dann gab es davor meist schon einen intensiven Prozess der Auseinandersetzung mit sich selbst und ist meist der letzte Schritt des Coming-out. Durch das Abtun oder Nicht-Ernstnehmen dieser Gefühle und dieses Prozesses können starke emotionale Verletzungen entstehen. Sich als schwul, lesbisch, homosexuell, usw. zu bezeichnen, hat nichts mit sexuellen Experimenten zu tun und geht weit über Ausprobieren hinaus.
Wir hoffen es! Es gibt verschiedenen Reaktionen auf das Coming-out zu reagieren. Zwischen Enttäuschung, Hilfslosigkeit, Wut, Zorn und Ignoranz gibt es ein weitreichendes Spektrum an Emotionen. Wichtig dabei ist nur, sich klar zu sein, dass manche Gefühlsausbrüche vielleicht nicht mehr rückgängig zu machen sind und großen Schaden anrichten können. Für die Eltern kommt diese Information meistens überraschend und auch sie müssen das erst einmal verdauen und sich damit auseinandersetzen. Die Zeit, die das eigene Kind benötigt hat, bevor es diesen Schritt macht, sollte man sich auch selbst eingestehen. Je offener und toleranter das Elternhaus jedoch schon vor dem Coming-out ist, umso einfacher gestaltet sich dieser ganze Prozess für beide Seiten. Wenn die Gesellschaft generell in Betracht ziehen würde, dass nicht alle Menschen heterosexuell sind und so leben, würde dies einiges vereinfachen. So bleibt einstweilen nur,